Was ich noch zu sagen hätte…
Kolumnen von Dudweiler Bürgern
Erika Raskop
Erika Raskop, Mitglied der Dudweiler Künstlergruppe DUDOART, hat den Vorschlag gemacht,
eine „Dudweiler Kolumne“, kurz Hallo-Kolumne, zu starten und diese unter einem eigenen TAB auf der Webseite www.dudoart.de/hallo-kolumne zu präsentieren.
Was versteht man unter einer Kolumne? Dann schaut z.B. hier, bitte klicken: Definition Kolumne
Natürlich wollt Ihr als Leser etwas über Erika erfahren, die jetzt als die 1.Bürgerin für die neue Dudweiler Kolumne Hallo-Kolumne ehrenamtlich tätig ist.
Klickt bitte hier: über Erika
Lest jetzt Erikas ersten Beitrag: Klicke hier: Kolumne Nr. 1
Nachtrag zu Kolumne Nr. 2: Und sie tun: nichts
(von Thomas Kreis)
Eine wunderbare Zeit, dieser dunkle Dezember. Irgendwo zwischen erstem Advent und den Heiligen Drei Königen passiert sie wieder: die kollektive Entschleunigung. Zumindest theoretisch.
Besinnlichkeit liegt in der Luft, Nächstenliebe sowieso – und irgendwo dazwischen kindliche Nostalgie, gute Vorsätze und der feste Plan, im Januar alles besser zu machen.
Der Zauber dieser Zeit hat viele Gesichter. Alte Rituale feiern Comeback: die Raunächte zum Beispiel. Andere Bräuche kenne ich inzwischen nur noch aus Social Media – die berühmte Weihnachtsgurke etwa. Und dann gibt es natürlich die großen, von Konzernen orchestrierten Gefühle: leuchtende Trucks, blinkende Innenstädte, perfekt inszenierte Gemütlichkeit.
Dazu Adventskränze, Tannenbäume, Bleigießen, Silvesterraketen und Lichtinstallationen, die tapfer versuchen, die Dunkelheit zu vertreiben – oder wenigstens zu überblenden.
Viele Menschen lieben diese Zeit. Ich habe das auch einmal getan. Im Moment schaue ich eher von außen zu. Aber das kommt wieder.
Ein echter Lichtblick war für mich ein Donnerstagabend bei einem der „Runden Tische“. Schicke Gäste, warme Mäntel, Glühwein in der Hand, Plätzchen auf dem Teller. Gespräche über Gott und die Welt – vorzugsweise die schöne.
Und dann kam Doris.
Es war etwa 19 Uhr, als sie auf die Terrasse des Victor’s Penthouse gerufen wurde. Vorgestellt, kurz erklärt, als baldiger Dudweilerer angekündigt – und dann bekam ich eine Umarmung, wie man sie nicht von Smalltalk-Bekanntschaften bekommt, sondern von Menschen, die wirklich da sind.
Doris trug Gummistiefel. Jeans. Jacke. Alles ein bisschen schmutzig. Ein paar Schafwollreste hatte sie auch dabei – unfreiwillig. Sie kam direkt vom Stall. Es war die schönste Begegnung des Abends.
Doris erzählte mir von den Schäfchenfreunden Dudweiler e. V. Von dem, was sie schon auf die Beine gestellt haben, und von dem, was noch kommt. Warum der Standort gewählt wurde, nicht aus Willkür, sondern weil sie jahrelang die Stadt darum gebeten hat, die Wiesen etwas später zu mähen, denn dort brüten Enten und deren Küken wurden jedes Jahr geschreddert! Also was tat sie, sie pachtete von der Stadt die Wiese, rettete viele Entenküken und seitdem stehen ihre Schafe dort und grasen friedlich und die Menschen entzückend.
Ein Krippenspiel mit Kindergärten – das nächste Projekt. Eines von vielen, die leise entstehen, während anderswo laut diskutiert wird.
Was sie traurig machte: dass es tatsächlich Menschen gibt, die diesem Verein kritisch gegenüberstehen.
In Zeiten, in denen Zusammenhalt überall beschworen wird, ist es schwer zu verstehen, warum ausgerechnet diejenigen, die ihn leben, erklären müssen, warum sie das tun.
Fünfzehn Mitglieder. Bei jedem Wetter. Für Tiere. Für Kinder. Für Menschen.
Ohne Lohn. Meist auf Spendenbasis. Und oft genug mit eigener Zuzahlung.
Sie machen es nicht für sich.
Sie machen es nicht für Aufmerksamkeit.
Sie machen es für andere.
Und genau deshalb stehen sie nie im Vordergrund. Dort stehen die Schafe. Und der Zauber. Und das, was bleibt, wenn man weniger redet und mehr tut.
Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für solche Menschen und will mit gutem Beispiel voran gehen. Der neu gegründete Förderverein hat ein neues Mitglied!
Jeder kann bitte Unterstützer sein.
In Form von Spenden.
In Form von Mitgliedschaften.
In Form von Mithelfen.
Oder einfach durch ein ehrliches: Gut, dass es euch gibt.
Danke, ihr Schäfchenfreunde.
zurzeit ist ein Förderverein in Gründung, daher werden sobald als möglich diese Daten nachgereicht:
[Link zur Anmeldung Förderverein]
[Daten des Spendenkontos, der Schäfchenfreunde]
Gefühl und Verstand in Dudweiler
(von Klaus Weber)
Ende der 80er-Jahre war Dudweiler für mich vor allem ein Durchgangsort.
Auto am Dudoplatz, hoch zur Uni, runter vom Scheidter Berg, Kopf an, Gefühl aus. Physikstudium. Logik. Formeln. Wenn etwas nicht funktionierte, musste man nur lange genug rechnen.
Dudweiler wirkte damals ähnlich: funktional, bodenständig, nicht kompliziert. Kein Ort für große Gefühle, eher einer für solide Abläufe. Wer hier lebte, tat das unaufgeregt. Wer hier studierte, wohnte praktisch. Und wer abends in einer der kleinen Kneipen saß, redete selten über innere Konflikte – eher über Klausuren, Jobs oder warum der alte Kadett schon wieder nicht anspringt.
Ich mochte das. Ordnung hat etwas Beruhigendes.
Später, in den 90ern, begann sich etwas zu verschieben. Der Bergbau war endgültig Geschichte, Studierende blieben länger, Dudweiler wurde still ein bisschen bunter. Manche Kneipen verschwanden, andere wurden zu Cafés. Aus Orten, an denen man früher Bier trank, wurden Orte, an denen man heute Cappuccino trinkt und über das Leben nachdenkt – manchmal sogar gleichzeitig.
Auch bei mir verschob sich etwas.
Ich ging in die IT, wurde Projektleiter, Führungskraft. Fünfzehn Jahre lang komplexe Systeme, große Projekte, klare Ziele. Alles lief nach Plan – zumindest auf dem Papier. In der Realität saß ich immer öfter in Meetings, in denen technisch alles stimmte, aber trotzdem nichts voranging.
Heute weiß ich: Das Problem saß nicht im System. Es saß zwischen den Menschen.
Dudweiler hat mir dafür ungewollt ein gutes Trainingsfeld geliefert.
Beim Spaziergang durch den Ort, an der Bushaltestelle, im Bäcker oder auf dem Weg zum Brennenden Berg habe ich irgendwann angefangen, genauer hinzuschauen. Die kurzen Gespräche. Das Zögern. Der Satz „Eigentlich weiß ich ja, was ich tun sollte … aber irgendwie geht’s nicht.“
Diesen Satz höre ich bis heute.
Nicht nur in Unternehmen. Auch ganz privat.
Heute arbeite ich als Trainer und Coach für Führung, Zusammenarbeit und Motivation. Aber ich sitze genauso mit Einzelnen am Tisch, die nicht wissen, warum der Kopf längst entschieden hat, während der Bauch blockiert. Menschen, die funktionieren – und trotzdem müde sind. Die keine großen Diagnosen suchen, sondern verstehen wollen, was in ihnen eigentlich los ist.
Vielleicht passt das ganz gut zu Dudweiler.
Ein Ort, der nie laut war, aber immer ehrlich. Der sich verändert hat, ohne sich neu zu erfinden. Wo Verstand wichtig ist – aber Gefühl inzwischen mitredet. Nicht dramatisch, eher leise. So wie die meisten echten Veränderungen.
Mein Weg vom Physiker zum Coach begann genau hier. Nicht mit einem Aha-Moment, sondern mit vielen kleinen Beobachtungen. In Dudweiler habe ich gelernt, dass echte Effizienz erst dann entsteht, wenn Verstand und Gefühl aufhören, gegeneinander zu arbeiten.
Dafür gibt es keinen Algorithmus.
Aber ein gutes Gespräch, gute Beziehungen und gute, wissenschaftlich fundierte Methoden
Und ein Ort, der beides aushält.
Duodonis villare – Weiler des Dudo
(von Heinz-Dirk Luckhardt)
Die Geschichte von Orten interessiert mich nicht nur, wenn ich auf Reisen bin. Da, wo ich lebe, ist eine über 1000-jährige Geschichte bezeugt, detailliert nachzulesen auf den Webseiten der Dudweiler Geschichtswerkstatt: https://www.dudweiler-geschichtswerkstatt.de/dudweiler-chronik/
Als Zugezogener feiere ich 2026 meine 60-jährige Zugehörigkeit zur Saarheimat. Ja, Heimat für viele, nicht nur für die hier Geborenen. Das lasse ich mir nicht nehmen, auch spreche ich es denjenigen nicht ab, die hier heimisch geworden sind, und die nicht aus Deutschland, ja, nicht einmal aus Europa stammen.
Aber eigentlich ist ganz Europa meine Heimat. So viele Orte gibt es, wo ich mich wohl fühle. Und weil Bilder in der Erinnerung verschwimmen oder ganz verschwinden, halte ich sie in Photosammlungen und Photobüchern fest. Und nach mir … in den Papiercontainern ist viel Platz. Und eine Computer-Festplatte lässt sich vielfach verwenden, nachhaltig halt 😉
Und sie tun: nichts
(von Ulrich Höfer)
Dudweiler in der Vorweihnachtswoche. Wer jetzt durch die Fußgängerzone eilt oder versucht, im „Dorf“ noch schnell einen Parkplatz zu ergattern, um etwas zu erledigen oder einen Termin wahrzunehmen, spürt ihn: den Puls der Gehetzten. Und dann, nur ein paar hundert Meter weiter, unten im Wiesental, passiert das Gegenteil von Stress. Dort stehen sie, die Schwarznasenschafe an der großen Krippe. Und sie tun: nichts.
Das Privileg der Reglosigkeit
Es ist ein faszinierendes Schauspiel. Während ich mit meinem Terminkalender bewaffnet durch den Dezember rotiere, stehen die Tiere im Wiesental mit einer fast schon provokanten Gelassenheit im Frost. Sie kauen. Sie atmen sichtbare Wolken in die kalte Luft. Sie schauen.
Warum tut es mir so gut, ihnen dabei zuzusehen? Vielleicht, weil sie mir den Spiegel vorhalten. In ihrem „Nichts-Tun“ liegt eine Wahrheit, die ich im modernen Alltag manchmal verliere: Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich nicht renne. Die Schafe an der Krippe sind keine Statisten einer nostalgischen Kulisse; sie sind Lehrmeister der Entschleunigung.
Die Krippe als Ruhepol
Ich suche die Nähe der großen Krippe nicht nur wegen der Tradition, sondern wegen der Stille, die sie ausstrahlt.
Wenn ich auf der Wiese stehe und beobachte, wie ein Schaf behäbig den Kopf wendet, fällt für einen Moment der Druck von mir ab. Ich muss in diesem Augenblick nichts leisten, nichts erledigen. Die Schafe verlangen nichts von mir. Sie laden mich ein, einfach nur Zeuge der Gegenwart zu sein.
Ein Denkanstoß für mich zum Fest
Vielleicht ist das die eigentliche Weihnachtsbotschaft aus dem Wiesental: Das Fest beginnt nicht, wenn die letzte Erledigung abgehakt ist. Es beginnt dort, wo ich aufhöre zu rennen.
Wenn ich das nächste Mal an der Krippe vorbeikomme, versuche ich es noch einmal: Ich schaue nicht auf die Uhr und zücke nicht sofort das Handy für ein Foto – was mir als Fotograf allerdings schwer fällt. Ich stehe einfach nur da. Atme die kalte Luft. Und lasse mich von der Ruhe der Schafe anstecken. Denn während ich mich frage, ob ich alles geschafft habe, zeigen mir die Tiere im Wiesental, dass das „Sein“ oft viel wertvoller ist als das „Tun“.
Frohe Feiertage!
Die Schäfchenfreunde freuen sich auf eine Unterstützung:
https://www.facebook.com/Schaefchenfreunde
IBAN : DE05 5909 2000 1264 6400 04
BIC : GENODE51SB2
(ohne Gewähr)
Dudweiler – Dialog: Was ich Dir noch zu sagen hätte…
(von Erika Raskop)
… die Idee dazu kam spontan beim morgendlichen Gassigang, wie ich über den Begriff „Heimat“ nachdachte. Saarländerin bin ich, jedoch aus einem Dorf im Nordosten mit 350 Seelen kommend. Nach längerer Abwesenheit hier in Dir gestrandet … selbstgewählt… und ich sage heute nach fast 2 Jahren in Dir wohnend: es ist laut… es ist dreckig… ich bin sogar schon bestohlen worden…und doch gibt es keinen besseren Ort, an dem ich sein möchte.
Was ist es also, dass ich so über Dich spreche und sogar den Begriff Heimat dabei in mir spüre?
Zum einen bin ich mir darüber im Klaren, dass das, was in der Welt gerade geschieht, sich auch bis in die kleinsten Einheiten hin fortsetzt. Ob es Kontinente, Länder sind, ob Städte und Gemeinden, und auch in Familien und Beziehungen. Weshalb also solltest Du, liebes Dudweiler verschont bleiben und nicht davon betroffen sein?
Was jedoch das Heimatgefühl ausmacht, ist etwas, das „spürt“ man. Es ist die Art und Weise, wie Deine Bewohner mir das Gefühl geben willkommen zu sein. Es ist das Zuwinken von der anderen Straßenseite. Das Fragen nach meinem Hund Lissi, wenn sie mal nicht mit mir läuft. Es ist das Heraustreten von dem freundlichen Mann aus seinem Geschäft mit einer Tüte Leckerlis in der Hand, weil er mich auf der Straße mit Lissi kommen sah. Lissi war entzückt und auf ihre Weise dankbar. Ein solches Gefühl von „WIR“, das aus dem ICH und DU entsteht, habe ich so tief lange nicht mehr gespürt. 40 Jahre lebte ich in Bayern, und weiß erst jetzt, wie sehr mir diese Art von Zugehörigkeit gefehlt hat. Es hat mich tief in der Seele meines Herzens berührt und ich wusste: das Gefühl ist HEIMAT. Es hat mir auch eine Zuversicht genährt, dass die Menschheit dieses Gefühl von WIR braucht, auch über Grenzen hinweg, über Kontinente hinweg, wenn sie etwas für sich tun will, was hilft bei den großen Herausforderungen. Schön zu wissen, dass es hier in Dudweiler vorhanden ist… auch wenn es manchmal nicht einfach ist mit Dir.
